Soester Tafel als Ort der Hoffnung
Einer der Gründer der Soester Tafel, Michael König.Bilder: © Pixelbuddha Studio, Suncheli - stock.adobe.com, Michael König
In den EnergieNEWS gibt es neuerdings die Serie „Helden des Alltags“. Das können Menschen innerhalb oder außerhalb der Energiebranche sein, die Besonderes leisten und deshalb zurecht Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Heute stellen wir einen Mann vor, für den es zu einem Lebensinhalt geworden ist, für andere Menschen da zu sein und sie in ihrem Alltag zu unterstützen: Michael König, den Vorsitzenden der Soester Tafel e. V.
Von einer Idee zu einer Institution
Michael König ist 41 Jahre alt als er 1999 – fast auf den Tag genau vor 27 Jahren – gemeinsam mit seinen Mitstreitenden beschließt, den Verein Soester e.V. ins Leben zu rufen. „Ich habe Soziale Arbeit studiert, eine Beratungsstelle geleitet. Der Bedarf für eine solche Einrichtung war offensichtlich.“ Es beginnt mit einem täglichen Mittagstisch. Montags bis freitags konnten Menschen, die das wollten, für einen geringen Obolus warm in der Tafel essen. Heute betreut die Tafel rund 600 Haushalte in Soest. 1.300 Menschen nutzen regelmäßig deren Angebote – darunter rund 500 Kinder und Jugendliche.
Gerettete Lebensmittel – Insgesamt sind es 24 Tonnen im Monat. Bild: © Michael König
Bedarf ist gestiegen
Heute ist Michael König 68 Jahre alt. „Es macht mir nach wie vor großen Spaß, mit meinen Kolleginnen und Kollegen an den Angeboten der Tafel zu arbeiten.“ Vor allem über die Flüchtlingswellen 2015 aus Syrien und 2022 aus er Ukraine stieg die Nachfrage nach Hilfe deutlich. „Den Mittagstisch zum Preis von 70 Cent pro Mahlzeit haben wir nach wie vor und bewirten täglich zwischen 40 und 50 Gäste.“ Dazu kommt die klassische Unterstützung mit Lebensmitteln. „Zwei Mal im Monat erhalten diejenigen, die es brauchen, Lebensmittelpakete, die auf ihre Bedarfe zugeschnitten sind.“ Die Tüten repräsentieren einen Wert von 25 bis 30 Euro. Kosten tun sie je nach Haushaltsgröße zwischen 50 Cent und maximal zwei Euro. „Eine spürbare Hilfe, die dort unterstützt, wo es Not tut.“
Großes Team
Rund 50 Ehrenamtliche bringen ihre Arbeitskraft regelmäßig für die Tafel ein. Dazu kommen Maßnahmenteilnehmende von der Bundesagentur für Arbeit und Festangestellte, meist in Teilzeit. „Wir reden über Fixlosten im Jahr von rund 200.000 Euro“, berichtet Michael König, „davon bezahlen wir Sprit, Steuer und Versicherung für zwei Kühltransporter, unsere Köchin, unsere Buchhaltung und Weitere.“ An sechs Tagen in der Woche holt die Tafel täglich rund eine Tonne gut erhaltene Lebensmittel in ihr System. „Das ist Knochenarbeit. Diese 24 Tonnen im Monat müssen abgeholt, sortiert und verteilt werden.“ Die Touren umfassen sowohl Landwirte aus der Region als auch die einschlägigen Supermärkte und Discounter. Dazu kommen Brot- und Backwaren. „Es gibt da durchaus auch den ethisch-ökologischen Aspekt. Wir retten Lebensmittel und vermeiden damit aktiv Verschwendung.“
Gegen Ausgrenzung, gegen Vereinsamung
Michael König hat zwei gesellschaftliche Phänomene ausgemacht, die ihn besonders beschäftigen. „Es gibt soziale Gruppen in unserer Gesellschaft – zum Beispiel Alleinerziehende, Rentner oder Geringverdiener – die geben im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles in ihrer Macht Stehende und können trotzdem finanziell nicht klarkommen.“ Am Ende des Geldes ist für sie einfach zu viel Monat übrig. „Dazu beobachte ich eine wachsende gesellschaftliche Stigmatisierung. Menschen werden verantwortlich gemacht. Aber wer angeschlagen, krank oder anderweitig beeinträchtigt ist, kann nicht beliebig auf gestiegene Miet- und Lebenshaltungskosten reagieren.“ Deshalb schaffe die Tafel auch bewusst Räume, wo jeder willkommen sei.
Mitarbeitende der Soester Tafel. Bild: © Michael König
Neue Angebote
Weit über 800.000 Menschen in Deutschland gehen regelmäßig zur Arbeit und müssen dennoch mit Grundsicherung aufstocken, um über die Runden zu kommen. Für diese Menschen ist selbst der kleinste Luxus illusorisch. „Ein Kinobesuch, ein Stück Kuchen, selbst ein Tag im Freibad ist zu teuer, um es sich leisten zu können.“ Die Tafel hat deshalb neben dem Mittagstisch und den Lebensmitteltüten seit einigen Monaten ein Mittags-Café als Hilfsangebot neu eingerichtet. Montags und mittwochs besteht hier die Möglichkeit, sich auf einen Kaffee und ein Stück Kuchen zu treffen. „Wir hatten hier auch schon eine Geburtstagsfeier mit acht Gästen. Eine solche Zusammenkunft wäre anderswo schlicht nicht möglich gewesen.“ So wirke die Tafel auch aktiv gegen die Phänomene Vereinsamung und Ausgrenzung. „Wer am gewöhnlichen gesellschaftlichen Leben aufgrund fehlender finanzieller Möglichkeiten dauerhaft nicht teilnehmen kann, fühlt sich ausgeschlossen, benachteiligt und zweifelt an sich.“
Wer kann helfen?
Dankbar ist die Tafel auch den Stadtwerken Soest, die regelmäßig die Institution unterstützen. Michael König zitiert Anne Frank: „Wie wunderbar ist es, dass niemand einen Moment warten muss, bevor er anfängt, die Welt zu verbessern.“ In den vergangenen 27 Jahren und bis heute verzeichnet die Soester Tafel drei Arten von Spenden: Die von Sach- und Lebensmitteln, die von Zeit und Arbeitskraft und die von Geld. „Für jede dieser Zuwendungen sind wir von Herzen dankbar und jede einzelne Gabe hilft uns zu tun, was wir tun.“









